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Malteser Niedersachsen

Zum letzten Mal auf großer Fahrt

Malteser in der Diözese Hildesheim starten das Projekt Herzenswunsch-Krankenwagen

30.11.2016
Lena Marie Dill und Holger Scherf von den Braunschweiger Maltesern fuhren den ersten „Herzenswunsch-Krankenwagen“ nach Steinhude; Bildquelle: Malteser
Lena Marie Dill und Holger Scherf von den Braunschweiger Maltesern fuhren den ersten „Herzenswunsch-Krankenwagen“ nach Steinhude; Bildquelle: Malteser

Hannover/Celle/Göttingen/Braunschweig/Wolfsburg (mhd) Noch einmal das Meer sehen, bevor es zu Ende geht? Ein letzter Besuch in den Bergen? Mit ihrem neuen Projekt „Herzenswunsch-Krankenwagen“ können die Malteser in der Diözese Hildesheim nun todkranken Menschen diesen Wunsch erfüllen: Gut ausgebildete Sanitäterinnen und Sanitäter bringen die Patienten mit einem voll ausgerüsteten Krankenwagen an einen Ort ihrer Wahl und übernehmen dafür auch die Kosten. Die erste Fahrt führte am vergangenen Sonntag ans Steinhuder Meer.

Ein Jahr hat alles verändert: Weihnachten 2015 stand Birgit Fischer noch mitten im Leben, als geachtete und beliebte Lehrerin, als Lebensgefährtin eines Mannes und Mutter eines erwachsenen Sohnes. Heute ist die 59-Jährige zu schwach, um längere Strecken zu laufen. Im Rollstuhl hat Monika Breiden ihre todkranke Freundin an die Promenade des Steinhuder Meeres geschoben. Gemeinsam genießen die Frauen an diesem sonnigen, aber kalten ersten Advent 2016 den Blick über das Wasser. Für Birgit Fischer wird es der letzte Besuch am Steinhuder Meer sein und beide wissen das. Zu viel ist geschehen in diesem vergehenden Jahr: Zuerst im Januar die Diagnose Eierstockkrebs – „trotz aller Vorsorgeuntersuchungen“, wie Birgit Fischer betont. Mehrere Operationen, Chemotherapie, dann ein Riss im Darm, weitere Operationen. Seit dem 3. November wird die Todkranke im „Hospiz am Hohen Tore“ in Braunschweig gepflegt und rund um die Uhr medizinisch betreut.

Die Malteser in Braunschweig haben Birgit Fischer nun den „Herzenswunsch“ erfüllt, gemeinsam mit ihrer Freundin noch einmal das Meer zu sehen, auch wenn es nur ein Binnensee ist. „Die Nordsee hätte ich mir von der Fahrtstrecke nicht mehr zugetraut“, bekennt die kranke Frau. Steinhuder Aal statt Nordseekrabben also, aber das ist in Ordnung für die ehemalige Lehrerin. „Ich bin den Maltesern sehr dankbar für diesen wundervollen Tag. Das ist ein Geschenk“.

Ein Geschenk, das von Herzen kommt. Gerne haben sich die beiden Malteser Holger Scherf und Lena Marie Dill an diesem Sonntag Zeit genommen für diese Ausflugsfahrt. Beide arbeiten ehrenamtlich für die Malteser in Braunschweig, der 43-jährige Scherf auch hauptberuflich als Rettungsassistent, Dill als junge Krankenschwester im Krankenhaus. Ihre medizinische Erfahrung wird gebraucht, denn außer den beiden Freundinnen haben Scherf und Dill für alle Fälle auch jede Menge Medikamente und Pflegemittel an Bord des voll ausgerüsteten Krankenwagens. Sollte sich der Zustand der Todkranken plötzlich verschlechtern, dann würden die beiden erfahrenen Sanitäter sofort eingreifen müssen – und auch können.

Für die Malteser ist die Reise ans Steinhuder Meer der erste Einsatz im Rahmen ihres neuen Dienstes „Herzenswunsch-Krankenwagen“. Seit kurzem bietet der Hilfsdienst solche Fahrten an den Standorten Celle, Braunschweig und Wolfsburg an. Hannover und Göttingen sollen bald folgen. An diesen fünf Standorten arbeiten die Malteser eng mit stationären Hospizen zusammen. Kommt von dort eine Patientenanfrage, stellen die Malteser, je nach körperlicher Verfassung des Patienten, einen Rettungswagen oder Krankentransportwagen zur Verfügung und sorgen dafür, dass der Betroffene von einem ausgebildeten Rettungshelfer oder Rettungssanitäter begleitet wird. Ist genügend Platz vorhanden, kann ein Angehöriger mitfahren.

Für diesen Dienst zahlen der Patient sowie seine Begleitperson nichts. Etwa 100 Euro kann es kosten, einen schwerstkranken Menschen noch einmal nach Hause zu fahren. Für 420 Euro könnte man ein sterbenskrankes Kind zusammen mit seinen Eltern für einen Tag an die Ostsee fahren und etwa 1.500 Euro müsste man aufbringen, um einen Patienten nach Süddeutschland zu bringen, wo er noch einmal mit Verwandten Weihnachten oder ein anderes Fest feiern könnte. Um die Fahrt den Betroffenen kostenfrei anbieten zu können, sind die Malteser daher auf Spenden angewiesen.

Koordiniert wird dieser neue Malteser-Dienst von Dr. Christoph Mock, Theologe und Trauerbegleiter des Ambulanten Hospizdienstes der Malteser in Hannover. Mock klärt alle Rahmenbedingungen, hält Kontakt zu den behandelnden Ärzten und sorgt auch für die Ausbildung der ehrenamtlichen Malteser-Begleiter. „Wenn wir mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen einem todkranken Patienten eine Herzensangelegenheit erfüllen können und er so vielleicht ein letztes Mal für ein paar Stunden aus dem Krankenhaus oder dem Hospiz herauskommt und etwas erlebt, was ihm persönlich wichtig ist, dann hat das Projekt seinen Zweck erfüllt“, sagt Mock. Zugleich hofft der Koordinator, dass der Herzenswunsch-Krankenwagen helfen könnte, den Hospizgedanken zu verbreiten und auf die vielen Möglichkeiten hospizlichen Handelns aufmerksam zu machen, speziell auf die stationäre und ambulante Hospiz- und Palliativarbeit. „Noch immer gibt es auf diesem Gebiet viel Unwissenheit“, gibt der Theologe zu bedenken und freut sich, dass die erste Fahrt des Malteser „Herzenswunsch-Krankenwagen“ so erfolgreich verlaufen ist.

Information und Anmeldung von Transportwünschen:

Montag bis Freitag: 9 bis 16 Uhr
Mobil: (0151) 46144254

Spendenkonto des Herzenswunsch-Krankenwagen:

Malteser Hilfsdienst e. V., Diözese Hildesheim
Pax Bank
IBAN: DE49 3706 0120 1201 2090 10
BIC: GENODED1PA7

Stichwort: D09HWK oder „Herzenswunsch“

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